Thema: Erlebnisse

Claudia am 02. November 2014 — 2 Kommentare

Zahnersatz-Strategien, Implantate und eine Philosophie der Zahnlosigkeit

Zahnersatz? Das ist nun mal ein Thema, über das man meist lieber nicht spricht. :-) Dabei trifft es uns alle, früher oder später. Meine eigene (obere) Kauleiste sieht länger schon wieder aus wie die einer 30-Jährigen – das ist aber alles Fake! Um die Jahrtausendwende bin ich mal auf einem Wald- und Wiesenfest in ein nicht abgesichertes tiefes Loch gefallen. Wackelungsgrad 1 war die Folge für die drei mittigen Vorderzähne. Klar, die Zahnärztin wollte die gleich erneuern, ich hab‘ sie aber bis 2010 erfolgreich „verteidigt“.

Dann aber war schluss mit lustig, schleichende Entzündungen bewegten mich dazu, doch einer großen Brücke mit funkelnagelneuen Zähnen zuzustimmen.l Die Haltepfeiler wurden natürlich auch überkront, so dass das alles seitdem wieder richtig GUT aussieht. Was man von den alten, leicht schiefen und reichlich vergilbten Zähnen nicht sagen konnte, aber die Optik alleine war mir nie Grund genug für zahntechnische Renovierungsarbeiten.

Zahnersatz

Die besagte Brücke ist bei mir nicht die Einzige. Schon in den 20gern fing es bei mir mit Kronen an, dann kam eine „Krone mit Anhänger“, später diverse Brücken – glücklicherweise verabschiedeten sich meine Zähne in einer Reihenfolge, die äußerst günstig war, so dass ich lange immerhin ziemlich vollständige Zahnreihen hatte. Dann aber segnete ein Eckzahn und Haltepfeiler das Zeitliche – und mit ihm auch der verbundene Zahnersatz. Da ich mittlerweile zu einem großartigen, aber weniger geschäftsgeilen Zahnarzt gewechselt hatte, hörte ich mir seine Vorschläge zwar interessiert an, tat dann aber GAR NICHTS. Man sieht ja nicht, dass mir rechts hinten die wesentlichen Zähne völlig fehlen. Nach einer Gewöhnungsphase von wenigen Wochen spürte ich auch keine Defizite mehr, obwohl das vorher wichtige „Kau-Zähne“ waren. Da ich kein Fleisch esse, sondern mit veganen Fleischalternativen sehr zufrieden bin, fehlt mir tatsächlich nichts! Weiter → (Zahnersatz-Strategien, Implantate und eine Philosophie der Zahnlosigkeit)

Claudia am 31. Juli 2012 — 11 Kommentare

Der Lieblingskunde oder: Lieben statt geliebt werden wollen

„Heilige Seekuh, ich könnte Ihnen ewig zuhören! Ich würde Sie am liebsten auf diesem Hocker festbinden, damit Sie mir den ganzen Nachmittag lang alles erzählen, was Ihnen einfällt!“

Wer sagte das zu wem? Es war „MaDove“, die in ihrem Blog „Dinge. Und Sachen“ über die Begegnung mit einem über 80-Jährigen alten Herrn berichtet – ihr „Lieblingskunde“, der alle paar Wochen in ihren Laden kommt und ein bisschen mit ihr plaudert.

Dieses Plaudern ist allerdings so ganz anders als das, was MaDove bei alten Menschen gar nicht mag, die „im Alter dazu neigen, ihre Aufmerksamkeit auf ihre eigenen Erinnerungen und auf die von ihnen erworbene Weisheit zu richten, und beides mehr oder weniger ungefragt und mehr oder weniger ausführlich mit mir zu teilen“.

Was ist so anders? Der alte Mann erzählt Anekdoten, die NICHT dazu dienen, ihn selbst besser dastehen zu lassen. Er zeigt großes Interesse an ihrer Meinung, will nicht vor allem selber reden und geht sogar konkret auf das ein, was sie sagt. Und noch bevor sie auch nur daran denkt, dass sie nun besser mal wieder arbeiten sollte, beendet er das Gespräch von sich aus.

Dass dieses Verhalten (das eigentlich ein ganz normal menschliches sein sollte, aber nicht ist) solch eine Begeisterung hervorruft, zeigt deutlich, dass Alter kein Mangelzustand sein muss. Nämlich dann nicht, wenn es nicht mehr darum geht, selber im Mittelpunkt zu stehen und zu glänzen. Der einst Suchende ist zum Gebenden, zum Liebenden geworden und kann Andere mit dem beschenken, was viele ersehnen, aber selten bekommen: Ungeteilte Aufmerksamkeit, Zuwendung, Interesse, Bedeutung.

Claudia am 17. Oktober 2010 — 18 Kommentare

Es ist nicht bös’ gemeint!

Neulich in der Berliner Charité,  Virchow Krankenhaus, Augen-Ambulanz.  Ich muss viereinhalb Stunden warten und bin fast verdurstet, bevor mich endlich eine Ärztin empfängt. Frau Doktor – geschätzt Ende dreißig – wirkt ein wenig nervös. Ich darf mich setzen. Sie studiert die Kurzfassung meines Leidens, die meine Augenärztin mitgegeben hat und sagt:

„Darf ich Sie fragen, wie alt Sie sind?“
Sie flüstert es fast und schaut mich dabei an, als solle ich ihr eine ansteckende Geschlechtskrankheit beichten.
„Sechsundfünfzig!“ sag‘ ich fröhlich und lächle.
„Es ist nicht bös‘ gemeint“, fügt sie nun noch betretener hinzu, „wir müssen das halt fragen!“
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