Claudia am 21. März 2014 —

Skandal: Lieber ab ins Pflegeheim als eine REHA, die wieder fit macht

Was ist besser, wenn ein alter Mensch nach einer Operation noch nicht gleich im Stande ist, sich wieder selbst zu versorgen – eine einmonatige REHA oder ein Pflegeheim?

Jeder vernünftige Mensch würde gewiss für die REHA votieren. Umso mehr, wenn diese anerkannt erfolgreich ist und – wie im Fall der geriatrischen Reha in Esslingen – 75% der Patienten wieder fit für ein eigenständiges Leben macht. Dennoch wird diese Klinik geschlossen, wobei sie mit diesem Schicksal nicht alleine ist: in Baden Württemberg wurden bereits sechs Einrichtungen geschlossen, ohne dass sich in der Öffentlichkeit irgend jemand drüber aufregt.

Warum? Seit Jahren arbeiten die REHA-Kliniken mit viel zu geringen Tagessätzen, die seit 10 Jahren nur 20 Euro/Tag pro Patient betragen. Und das bei ständig steigenden Personal-, Material- und Energiekosten.
Irgendwann müssen unter solchen Bedingungen alle geriatrischen REHAS schließen. Mit krassen Folgen für die Patienten und die Allgemeinheit, denn die Alternative heißt „Pflegeheim“ – ein Ort, wo REHA nicht stattfinden, die Alten also unter Umständen für immer bleiben. Mit entsprechenden Kosten!

Warum also dieser Irrsin, die REHAS lieber zu schließen als besser zu finanzieren?

In einem PLUSMINUS-Beitrag der ARD zum Thema heißt es dazu:

Eine Reha kostet für vier Wochen einmalig knapp 4.000 Euro. Ein Heimplatz kostet für vier Wochen 3.300 Euro – das aber rechnet sich monatlich immer weiter hoch – manchmal über Jahre. Unökonomisch, findet Chefarzt Runge: Wir könnten mit einem gut aufgestellten geriatrischen Reha-System die Pflegebedürftigkeit erheblich reduzieren, und damit einen wirklichen volkswirtschaftlichen Nutzen schaffen.“

So aber rechnen die Krankenkassen nicht, denn die Reha zahlt ja die Krankenkasse, die Pflege die Pflegekasse. Das bedeutet: Findet keine Reha statt, entlastet das die Krankenkassen. Die sich aufstauenden Kosten für Pflege und Hilfsmittel bleiben an den Pflegekassen hängen. Das Interesse der gesetzlichen Kassen für diese Reha aufzukommen geht daher gegen Null.

So so! Ein offensichtlich strukturell bedingter Wahnsinn verursacht viel Leid bei Betroffenen und unüberschaubar hohe Folgekosten für die Pflegeversicherung – und niemand ändert da etwas! Alte haben eben keine Lobby, aber wir werden ALLE mal alt sein. Und dann fällt diese gesamtgesellschaftliche Ignoranz auf uns zurück. Ganz individuell, nicht nur über die Beiträge zur Pflegeversicherung!

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Siehe dazu auch die Presseerklärung des Bundesverbands der Geriatrie. (.pdf)