Claudia am 12. Mai 2018 — 2 Kommentare

Keiner bleibt allein – außer den Alten?

Auf Twitter läuft eine Aktion gegen Einsamkeit: #KeinerBleibtAllein – es gibt auch eine Webseite dazu, auf der die Initiative (mittlerweile ein Verein) erklärt, um was es geht:

„Gemeinsam mit Dir möchten wir die Einsamkeit in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg bekämpfen. #KeinerBleibtAllein möchte Dich dazu in Zusammenarbeit mit zahlreichen Unterstützern, Partnern und Freiwilligen einladen Teil eines vollkommen neuen sozialen Projektes zu werden, dass nebenbei das Thema Einsamkeit auflöst und uns als Gesellschaft wieder näher zueinander bringt.

Wenn Du also Gesellschaft suchen solltest um aus deiner sozialen Isolation herauszukommen, kannst Du auf uns zukommen. Du findest uns auf Facebook und auf Twitter. Dort kannst Du uns schreiben und Bescheid geben, falls Du Unterstützung in deiner Stadt suchst. Wie das funktioniert und welche Fragen Du Dir bereits jetzt stellst, haben wir hier auf dieser Seite (Gesellschaft suchen) vorbereitet und hoffentlich beantwortet.“

Tolle Aktion, doch vermute ich, dass vor allem Jüngere diese Chance nutzen. Aber was ist mit den Alten?

Einsamkeit im Alter

Zu meinem Artikel „Krank und allein – was dann?“ im Digital Diary schrieb mir eine Leserin:

„Ich habe große ANGST alleine. Bin fast 76 Jahre und wohne in meinem Haus ganz alleine, von meinen Kindern verlassen. Weiss nicht, wie es weiter geht.
Bin seit einem Jahr Witwe. Es ist einfach unglaublich schlimm.“

Vermutlich ist sie nicht die Einzige, der es so geht. Einsamkeit ist im Alter ein größeres Problem als in jungen Jahren, denn alte Menschen finden nicht mehr so leicht Kontakt, gar neue Freunde. Insbesondere, wenn Ehepaare sich miteinander über Jahre isolieren und nurmehr sporadischen Kontakt mit Kindern oder Enkeln pflegen, ist Einsamkeit die natürliche Folge, wenn der Partner stirbt. Wenn dann auch noch Krankheiten und Behinderungen dazu kommen, sind auch den eigenen Initiativen enge Grenzen gesetzt.

Ich habe ein bisschen herum geschaut und anstatt selbst Tipps gegen die Einsamkeit im Alter zu geben (die ich mir großteils aus den Fingern saugen müsste) liste ich hier ein paar Artikel auf, die sich mit dem Problem befassen und auch Vorschläge machen:

Wie können wir verhindern, im Alter zu vereinsamen?

Da ich mich derzeit noch alles andere als einsam fühle, kann ich die Frage nur so „voraus schauend“ stellen. Auch mein Elan, „raus in die Welt“ zu gehen, hat abgenommen, ich bin zufrieden mit ein paar wenigen Freunden, meinem Garten und dem medialen Leben online. Allerdings versuche ich, für Neues aufgeschlossen zu bleiben und immer mal wieder etwas zu unternehmen, das nicht zur Routine gehört. Dabei bevorzuge ich Aktivitäten, die nicht reiner Konsum sind, etwa ehrenamtliches Engagement in Vereinen und Initiativen rund um meine Interessen.

Entscheidend ist aber auch das eigene Verhalten, mit dem ich anderen Menschen begegne. Gibt es da ein „Rezept gegen die Einsamkeit“? Ich denke, ja!

Zuwendung schenken

Nicht nur alte Menschen können ganz schön nerven, wenn sie allzu egozentrisch werden. Nur von sich sprechen, die Krankheiten, Enttäuschungen, Zumutungen und Demütigungen des Lebens beklagen – all das schafft in Maßen Nähe, im Übermaß erzeugt es Fluchtreflexe! Alle Welt sehnt sich nach Aufmerksamkeit, nach echtem Zuhören und mitfühlender Anteilnahme, aber wer ist bereit, das auch zu geben? Wer dafür Zeit hat und echtes Interesse an anderen Menschen, wird kaum je einsam sein!

Wie aber lässt sich dieses Interesse an Anderen erhalten, gar kultivieren?

Das geht, es braucht aber ein bisschen Mut! Nämlich den Mut, aus der Langweiligkeit des Smalltalks auszubrechen und echte Fragen zu stellen: nach dem, was die Menschen wirklich umtreibt, begeistert, ängstigt, behindert, was ihnen auf der Seele liegt. Vielleicht gibt es eine kurze Irritation beim Gegenüber, aber wenn klar ist, dass die Frage nicht „böse gemeint“ ist, dass man sich also nicht auf Kosten des Anderen selbst erhöhen will, dann öffnen sich schnell die Schleusen!

Zu verlieren hat man doch eigentlich nichts, wenn man solche Versuche startet, mit Menschen in tieferen, relevanteren Kontakt zu kommen als durch bloßes Gerede über Dinge, die nicht wirklich interressieren. Langweiliges Blabla ist kein Mittel gegen die Einsamkeit, jedenfalls nicht für mich. Da bin ich dann doch lieber alleine und arbeite ein bisschen im Garten oder surfe im Netz. :-)

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Diskussion

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2 Kommentare zu „Keiner bleibt allein – außer den Alten?“.

  1. Glücklicherweise werden neue Formen des Zusammenlebens ausprobiert. Mehrgenerationshäuser, Clusterwohnen sind zwei Möglichkeiten, etwas gegen die Vereinzelung zu unternehmen. Gestern sah ich einen Bericht über das Leipziger Startup bring-together
    („Matching-Plattform für Gemeinschaftssuchende“), das als Vermittler für eine Wahlfamilie dienen will.

    Ob und wie alte Menschen mit anderen zusammenleben können, weiß ich nicht. Ich habe durch meine Arbeit auf der Geriatrie „nur“ Kontakt mit jenen in der allerletzten Lebensphase, wo die gesundheitlichen Einbußen ein solches Ansinnen in den Hintergrund rücken lassen. Es sei denn, es würde Bedingungen geschaffen, daß selbst Sterbende und Menschen in dieser letzten Phase, wenn sie zwischen Wohnort und Krankenhaus Pingpong erleben, in solche gemeinschaftlichen Strukturen eingebunden würden.

  2. Danke Markus! „Clusterwohnen“ hab ich mal gegoogelt – ja, das ist genau richtig! Eine WG wie in jungen Jahren kommt für alte Menschen meist nicht in Betracht. Wer will schon noch Bad und Küche teilen? Es müssten viel mehr Cluster-Häuser gebaut werden!

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