Altern heißt auch schwächeln – wie gehen wir damit um?

Immer wieder mal hört man von diesen legendären Alten da irgendwo im Himalaya, die angeblich locker 100 bis 120 Jahre alt werden und noch wacker auf dem Feld arbeiten. Bis sie dann dort tot umfallen: kein Rentnerdasein, kein Pflegeheim, ganz sicher kein langes “dahin vegetieren”, wie wir es hierzulande fürchten müssen.

In unserer “Hochzivilisation” spüren wir das Altern oft schon ab Mitte 40 deutlich: auf einmal braucht man eine Lesebrille, das Gesicht sieht schon länger nicht mehr aus wie auf den Jugendfotos, und mit 50plus beginnen die Zipperlein: Jene Beschwerden, die nicht mehr einfach verschwinden, sondern sich als dauerhafte Begleiter etablieren. Die Folgen eines Sitzlebens am Schreibtisch, einer suboptimalen Ernährung und insgesamt zuwenig Bewegung machen sich unabweisbar bemerkbar. Die meisten Älteren nehmen dann auch noch deutlich zu, das Treppen steigen wird auf einmal mühsam, man “kommt außer Atem” und muss eine Pause machen – ja verdammt, das Altern ist kein Spass! Nicht nur zunehmende Weisheit und Gelassenheit, sondern eben auch Schwächeln, richtig ärgerliches Schwächeln, mit dem man psychisch erstmal zurecht kommen muss.

Dagegen ankämpfen?

Eine äußerst marktkonforme, das Bruttosozialprodukt steigernde Möglichkeit ist der Kampf gegen das Altern: Schönheits-Ops, Fitness-Center, Nahrungsergänzungsmittel, Wellness ohne Ende – und natürlich Arztbesuche, Kuren (die jetzt REHA heißen), Diäten, Experimente mit dieser und jener “besseren” Ernährung. Wer es sich leisten kann, hat 1001 Möglichkeiten, ein “Leben für die Gesundheit” zu führen – und doch schreitet das Schwächeln unaufhaltsam fort. Die Ausnahmen treten im Fernsehen auf: Rüstige Hochbetagte, die mit dem Wanderstock ständig im Gebirge unterwegs sind… :-)

Dass wir heute alles in allem “jünger” wirken im Vergleich zu früheren Generationen liegt vermutlich am friedlichen Leben: keine Kriege, prosperierende Wirtschaft, sehr viel weniger Stress und Sorgen insgesamt, was ja ganz wesentlich zum sichtbaren Altern beitragen soll. Dafür könnten wir eigentlich dankbar sein, doch inmitten einer Welt, die dem “Jugendwahn” fröhnt, wirkt auch dieses “gemäßigte Altern” mehr wie eine Zumutung, ein Affront gegenüber einem Selbstbild, zu dem es gehört, immer alles “im Griff zu haben”. Das Altern macht Schluss mit dieser Illusion, wir haben es definitiv nicht im Griff, nicht mal die berühmte Cher, die noch mit 67 das erfolgreiche Showgirl gibt, kann sich dem Altern wirklich verweigern.

Carpe diem

Gibt es eine Alternative zum Kampf gegen das Altern, bzw. seine sichtbaren und spürbaren Folgen? Ab und an sage ich mir: du solltest mehr Sport treiben, definitiv keine “süßen Stückchen” mehr essen, dies und das anders machen, unterlassen, anfangen – und dann wende ich mich doch lieber meiner Arbeit zu, die teilweise “Brotarbeit”, teilweise Spaß und Freude (bloggen!) und teilweise Engagement für sinnvolle Projekte ist. Ich hab gar nicht die Zeit für wochenlange REHA, obwohl mir meine Orthopädin sowas verschreiben würde, und stundenlang an der eigenen Optik arbeiten war sowieso nie mein Ding. Der Garten und das Fahrrad müssen reichen, was die Bewegung angeht – und dass es irgendwann mal zu Ende ist, hat auch sein Gutes, wenn ich mir die heutige Welt so anschaue.

So übe ich mich also in Gelassenheit und nutze den Tag! Und Ihr?

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Pflegeheim vs. Selbstpflege – die Vor- und Nachteile einer weitreichenden Entscheidung

Irgendwann ist es soweit: Ein Angehöriger hat zunehmend Mühe, sich selbst zu versorgen und den Alltag eigenständig zu meistern. Mit dem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, recht plötzlich pflegebedürftig zu werden, z.B. nach einem Unfall oder einer größeren Operation. Spätestens dann stellen wir uns die Frage: Selber pflegen oder Pflegeheim? Und weiter: Was muss bei der Pflege beachtet werden? Welche Vorzüge hat die Selbstpflege in der gewohnten Umgebung zu Hause und welche Vorteile hat die Pflege im Pflegeheim? Gibt es Nachteile?
Hier ein kleiner Überblick über alle wichtigen Punkte.
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Skandal: Lieber ab ins Pflegeheim als eine REHA, die wieder fit macht

Was ist besser, wenn ein alter Mensch nach einer Operation noch nicht gleich im Stande ist, sich wieder selbst zu versorgen – eine einmonatige REHA oder ein Pflegeheim?

Jeder vernünftige Mensch würde gewiss für die REHA votieren. Umso mehr, wenn diese anerkannt erfolgreich ist und – wie im Fall der geriatrischen Reha in Esslingen – 75% der Patienten wieder fit für ein eigenständiges Leben macht. Dennoch wird diese Klinik geschlossen, wobei sie mit diesem Schicksal nicht alleine ist: in Baden Württemberg wurden bereits sechs Einrichtungen geschlossen, ohne dass sich in der Öffentlichkeit irgend jemand drüber aufregt.
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Zu alt?

Mit Danny hab’ ich in jungen Jahren mal in derselben WG gewohnt – ein toller Musiker, der immer schon gerne und vornehmlich “Deutschrock” singt und spielt. Nun fühlt er sich offenbar ZU ALT zu allem – macht aber dennoch weiter:

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Deine Falten, Phillinna…

“Deine Falten, Philinna, bedünken mich schöner als alle

Glätte der Jugend, und mehr lockt’s mich, mit spielender Hand

Deine Äpfel zu kosen, die schwer Ihre Knospen schon senken,

als die schwellende Brust bei einem blühenden Weib.

Köstlicher scheint mir Dein Herbst als der Frühling der andern, und wärmer

als ihr sonniger Tag deucht mich dein Winter zu sein.”

(Paulos Silentiarios)

gefunden bei Trippmadam

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Ein unverschämtes Anliegen

Vielleicht, wenn wir uns nicht so viele Sorgen machen würden, gelänge uns das Bild der ‘bezaubernden weisen Alten’.  So sollte es doch sein. Und dass wir am Ende unseres Lebens beglückt und zufrieden zurückschauen könnten, auf das, was uns begegnet ist, auf das, was wir erleben durften, auf das, was uns Freude gemacht und unser Herz berührt hat, das, was uns erreicht hat, das, was unser Leben zu Leben gemacht hat.

Und ich sehe mich in ‘mohnrot’ – rot, welches das Herz stärkt und vielleicht bestärkt, uns aufrecht gehen lässt und uns selbst bewusst werden lässt. die frage ‘wer bin ich’ in mohnrot gekleidet – die Antwort kann nur possitiv sein – aber das ist der Befund für Aids ja auch. Relativ ist alles und demnach auch unsere Betrachtensweise – ob wir alt werden oder nicht.

Und was ist ‘alt’? Die Beliebigkeit des Fragens und der Antworten lässt mich immer näher in den humorigen Bereich abwandern.  Und irgendwie bewegen  müssen wir uns ja, auch wenn die Beine nicht mehr so wollen (noch wollen sie ja – einigermaßen).  Haben wir diesen, den humorigen Teil unseres Lebens, nicht enorm verkümmern lassen? Haben wir nicht alles immer viel zu ernst genommen? Es ist wohl der Kunst zuzurechnen, so etwas zu können, den Dingen und Begebenheiten den Spiegel vorzuhalten und zu fragen: Seht ihr nicht, wie lächerlich ihr euch macht?!
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