Claudia am 29. September 2015 — 3 Kommentare

Verkrüppelte Füße sind nur „anders schön“

Im Blogpost „Frau Ilse hat die neunzig überschritten“ zitiert die „Wildgans“ in einer Rezension des neuen Buchs von Ilse Helbich (Jg. 1923) die Autorin mit den Worten:

“Die unglaubliche Hässlichkeit des Alters. Ekelerregend die verkrüppelten, schwieligen Füße, eine Karikatur meiner selbst: der neue Watschelgang.”

alte Füße

„Karikatur meiner Selbst” – dieser kurze Passus inspiriert mich. Denn: was macht denn das “Ekel Erregende” aus? Doch eigentlich nur, dass wir uns damit identifizieren und das, was ist, mit einem Idealbild vergleichen und in Grund und Boden kritisieren. Gar nicht so anders übrigens als junge Menschen, die vieles an sich “nicht ok” finden, obwohl sie doch straff/jung/faltenslos sind.

Ich kannte mal jemanden, der mit Behinderten arbeitete: ein sehr engagierter sympathischer Mensch. Im einigermaßen entspannten / angstfreien / = berauschten Zustand begann er eines Abends, von den Interessantheiten und Schönheiten seltsamer körperlicher Abweichungen zu schwärmen… Und nein, nicht in einem verkorkst erotischen Sinn, sondern mit einem ästhetischen Blick.

Ein runzliges Gesicht ist so gesehen nur “anders schön” – genau wie die “die verkrüppelten, schwieligen Füße”.

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Foto: Laurin Rinder – fotolia.com

Diskussion

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3 Kommentare zu „Verkrüppelte Füße sind nur „anders schön““.

  1. Ja, und da sieht man an mir, dass ich die Fotographie der Füße einfach schön finde. Es sind sehr schöne Füße und es leigt wohl im Auge des Betrachters wie man wahrnimmt.
    Liebe Grüße
    ganga

  2. Hm … nachdem ich das Zitat bei Wildgans gelesen hatte, beschäftigte mich das auch länger. Vielleicht weil ich es wie selbstverständlich hinnehme, dass ein Mensch mit zunehmendem Alter seine frühere Form verliert, manchmal rein äußerlich zu etwas anderem als vorher wird. Damit einhergehend war ich wohl im Glauben, mit achtzig oder neunzig das Aussehen und die eigene Erscheinung immer weniger als Thema zu haben und sah mich also mit der Möglichkeit konfrontiert, dass das nicht so muss.
    Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, richtig. Nur finde ich nicht alles schön, auch nicht an meinem Körper. Aber mit zunehmendem Alter kann ich dem in meinen Augen Unattraktiven immer häufiger mit einem Lächeln zunicken; einem Lächeln das sagt: es ist okay, auch wenn es mir nicht gefällt. Ich habe auch nicht das Bedürfnis, alles an mir schön finden zu müssen. Vielleicht einfach deshalb, weil ich zu faul für die stete Anstrengung bin, mich da schön zu sehen wo ich mich unschön finde. Es ist mein Körper und damit ist es mein gutes Recht mit seinem Aussehen zu hadern; zu sagen: boah sieht das verkrüppelt aus! Aber eben ohne dem Gefühl der Abwertung dabei.
    Das waren unsortierte und noch unausgegorene Gedankenansätze, aber je länger ich sie ordne und ergänze, um so unüberschaubarer wird es für das Kommentarfeld. Mit einem Lächeln – Samtmut

  3. Hallo Claudia,
    gerade stöbere ich durch deine Artikel über „Altern“ und bleibe bei den Füßen hängen. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Schade, dass wir uns immer be- und verurteilen. Gerade im Alter und besonders in den Wechsel- und Wandeljahren haben wir aber nochmals die Chance das zu überdenken.
    Ich mochte meine Füße auch nie. Und jetzt blogge ich über Fußprobleme und bin total erfüllt von der Schönheit abgelehnter Körperteile und Gefühle, die sich mir jetzt erst auftut.
    Ich schau jetzt öfter mal bei dir vorbei. Das Jahrgang-plugin finde ich gut.
    Liebe Grüße
    Birgit

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