Claudia am 11. Januar 2020 — 0 Kommentare

Das Alter: die beste Zeit für Meditation?

An Meditation und spirituellen Lehren war ich schon in jungen Jahren interessiert. Das erschöpfte sich allerdings meist im Bücher lesen, sowie kurzzeitigen, eher halbherzigen Versuchen, „in Meditation zu kommen“. In der „Rushour des Lebens“ zwischen 25 und fast 40 führte ich ein aktives, politisch engagiertes Leben, das – solange alles Freude machte – keinen Raum für Verinnerungen ließ. Ich war „weltlich“ und das sehr gerne, bis ich Ende 30 an einem Tiefpunkt angelangt war, massiver Burnout würde man es heute nennen.

Obwohl ich damals mit Hilfe einer durchaus spirituell orientierten Gruppe wieder aus dem Sumpf fand, war Meditation noch immer kein Thema. 1995 entdeckte ich das Internet und war hin und weg! Begann sofort mit dem Bau von Webseiten, lebte weitgehend vor dem Monitor, machte mich als Webworkerin selbständig und startete im Lauf der Jahre mehrere Blogs zu allem, was mich so interessierte. Wieder war ich „weltlich aktiv“ und meditative Versenkungen passten nicht wirklich zu meinem Leben.

Buddha und Blüte

Dass ich nicht auf dem Bürostuhl eingerostet bin, verdanke ich der Yogapraxis (seit 1991) und dem Garten (seit 2006). Wobei ich Yoga nur anfänglich intensiv übte, schon bald reduzierte sich das auf einmal die Woche. Immerhin konnte ich das bis heute durchhalten und verdanke dieser Praxis sehr viel: die Kunst des Entspannens und in der Folge das erlernen der „rechten Spannung“ ist gar nicht so trivial, wie man denken könnte!

Ayya Khema: Innere Ruhe, inneres Glück

Wenn ich so zurück schaue, war mein Interesse an Meditation und anderen spirituellen Praktiken immer nur dann gegeben, wenn ich mit der äußeren Welt gerade sehr unzufrieden war – und mich zudem als machtlos empfand, daran etwas zu verändern. Letzteres war nur selten der Fall, da ich seit Mitte 20 erfahren habe, dass ich als Bürgerin dieses Staats im Zusammenwirken mit Anderen doch einiges an Veränderungen erreichen konnte.

Mit zunehmendem Alter schwindet allerdings der Elan in Sachen „Welt verbessern“. Er wird nie ganz weg sein, und das ist auch gut so  – aber diese Inhalte sind nicht mehr wirklich erfüllend. Was aber könnte denn „erfüllend“ sein, wenn es „da draußen“ nichts mehr zu geben scheint, das ich unbedingt haben oder noch erleben will?

Vielleicht ja doch Meditation?  Gerade habe ich Ayyah Khema wieder entdeckt, eine buddhistische Nonne, die eine wunderbare Meditationslehrerin war. Ihre vielen Lehrreden und Meditationsanleitungen stehen kostenlos im Netz, ich fand sie auf Yotube, z.B. im Kanal des von ihr gegründeten Münchner Buddha-Hauses.

Als Einstieg empfehle ich z.B. die „Anleitung zur Meditation“

Die Lehrrede gibt Orientierung über Sinn und Methoden, sowie den Umgang mit Störungen aus Körper und Geist – sehr gut verständlich und ohne „spirituellen Jargon“.

Inhaltlich schließen sich die „meditativen Vertiefungen“ nahtlos daran an. Mich faszinieren Ayyas Anleitungen, da sie sehr klar und deutlich macht, dass dieses „Sitzen und mit den eigenen Gedanken kämpfen“ (das auch ich immer mal wieder versucht habe) nicht Meditation ist, sondern lediglich Methode auf dem Weg dahin, nämlich der Versuch, sich zu konzentrieren.

Spannend wird es erst mit den Vertiefungen! Und ja, ich weiß das, weil ich zumindest die erste Vertiefung schon mal ganz kurz erlebt habe – im Anschluss an eine Yogastunde während der 15-minütigen Abschlussmeditation. Es war atemberaubend wunderbar – einen kurzen Moment lang, dann setzten meine Gedanken dazu ein und es war vorbei.

Ayyah lehrt, dass „innere Ruhe“ und „inneres Glück“ erreichbar ist auf dem Meditationsweg. Allerdings nur, wenn das „Ich“, das sich danach sehnt, zumindest in der Übung losgelassen wird. Ein Prozess, der im Zuge zunehmenden Alters sowieso stattfindet, wenn man sich nicht gegen das Unvermeidliche wehrt.

Denn alles, womit wir uns im Lauf des Lebens identifiziert haben, neigt im höheren Alter zum Verschwinden: das gute Aussehen, die Fähigkeiten, die Errungenschaften, vielleicht auch irgendwann die Freunde, die Nächsten…

Alter, Krankheit und Tod sind naturgesetzlich unvermeidlich. Wäre es da nicht wunderbar, „nach innen fliehen“ zu können, anstatt ständig gegen das Unvermeidliche anzukämpfen?

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