Claudia am 09. Oktober 2020 — 3 Kommentare

Mit Maske im Club – Gedanken zum Ausgehverhalten im Alter

Im Internet heißt es „Nobody knows that you are a dog“, doch dank Maskenpflicht gilt jetzt auch offline: Nobody knows that you are 66! Das hat mir den Besuch erleichtert, denn normalerweise hätte ich mich nie und nimmer in eine Club-Hochburg der jungen Generation getraut!

Stahlkunst

Der Event im Sisyphos zum 12-jähringen „Nichtgeburtstag“ war toll! Der ausführliche Bericht „Gestern im Sisyphos“ ist im Digital Diary erschienen. Hier geht es mir mehr darum, über das Ausgehverhalten nachzudenken, dass sich ab einem gewissen Alter rapide ändert – und zwar bei so ziemlich allen.

Klar, es gibt Ausnahmen, wie den TECHNO OPA und HIPSTER RAVER GÜNTHER-ANTON, der auch mit 70plus noch angesagte Clubs aufsucht. Allerdings ist diese Art „Eventisierung“ des eigenen Alt-Seins nur von einzelnen „Originalen“ umsetzbar und für mich absolut nicht wünschenswert! Wenn mich eine „Location“ interessiert, will ich hingehen, ohne groß aufzufallen – und das ist nun mal ab ca. 50 nicht mehr gegeben.

Begehren lässt nach, Ansprüche ändern sich

Neben diesem Umstand nimmt mit zunehmendem Alter das Verlangen sowieso drastisch ab, sich an Orte zu begeben, wie sie von jungen Menschen bevorzugt werden. Meine „Kneipenzeit“ war ab ca. 40 vorbei. Keine Lust mehr auf legale und illegale Drogen, keine – unbewusste – Partnersuche mehr, keinen Bock auf ekstatische Erlebnisse in der Gruppe, Und aus der zeitgenössischen Musik bin ich auch ausgestiegen, ganz beiläufig.

Viele Altersgenossinnen und Genossen entdecken irgendwann klassische Musik, Jazz oder gar ihre Liebe zur Oper. Mir ist das nicht gelungen, ich mag Jazz als gelegentliche Hintergrundmusik, aber das war es auch schon. Den treibenden Beat des HipHops konnte ich dagegen gestern wirklich genießen, allerdings hat es mir nach ca. zwei Stunden dann auch gereicht. Ich kann mir jetzt gut vorstellen, wie man sich mit diesem Sound die ganze Nacht über in Trance tanzen kann, aber es verlangt mich nicht danach.

Man wird sensibler im Alter, das ist die positive Seite des Schwächerwerdens. Grobe Reize, heftige Rythmen, Bässe in Zwerchfellmassage-Lautstärke – all das ist ganz interessant, aber nur  für kurze Zeit, so zum „mal gucken“.  Dennoch gefallen mir im Einzelfall einzelne Songs und Musikstücke altueller Interpreten, doch höre ich mir die dann einzeln am PC an. Dauerbeschallung ist nicht mehr drin, ich lebe gerne in Stille, weil ich JEDE Musik mittlerweile als emotionale Gewalt erlebe, der ich mich nicht gerne aussetze. Außer wenn ich genau die Stimmung genießen will, mit der mich der Sound überwältigt. So hab‘ ich zum Beispiel eine Playlist mit Corona-Songs angelegt und höre einige davon gerne, wenn mir das Geschehen droht, die Laune zu verderben.

Teile diesen Beitrag, wenn er Dir gefallen hat!

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
3 Kommentare zu „Mit Maske im Club – Gedanken zum Ausgehverhalten im Alter“.

  1. Dank Corona eröffnen sich einem ja ganz neue Möglichkeiten! ;-)
    LG
    Sabiene

  2. Liebe Claudia, schon wieder ich, (die sonst so eifrigen Kommentator/innen bleiben stumm).
    So begeistert wie du bist, ist der Sysiphos-Club wohl eher ein kreatives „Wonderland“. Wenn die Maskenpflicht vorbei ist, werde ich mal anfragen, ob auch „Greisinnen“ sich das anschauen dürfen.
    Ich bin sehr froh, noch lebendig zu sein. Die Texte vom Online-Kurs Altern 2005 habe ich noch alle „auf dem Schirm bzw. der Festplatte. Sie sind ein Schatz. Mein Gastbeitrag Gemeinsam altern – mein Körper und ich“ stammt ja daraus. Es sind genau 15 Jahre vergangen und das meiste, was ich schrieb, gilt noch. Der Satz: „Es geht mir nicht darum, mich jung zu fühlen, sondern mich gut zu fühlen.“ gilt noch immer uneingeschränkt. Und ich weiß jetzt, wie ich nach einer schlechten Nacht wieder in meine Mitte komme. Ulrike schrieb damals: Liebe Nila, diesen Satz finde ich sehr schön.
    Das was du schriebst: Liebe Nila,
    in deinem Text spüre ich deutlich die Ambivalenz gegenüber dem Altern, die uns wohl alle im Griff hat – mit einer Tendenz, das Altern rein negativ zu definieren. Und „Glaubt mir, dass ich mein Alter akzeptiere, weil ich mich noch jung fühle“ steht quasi als Motto über deinem Beitrag, stimmt auch heute noch nicht. Niemand muss mir Glauben schenken, sondern meinem Motto: Habt keine Angst vor dem Altern.
    Ich habe keine Ambivalenz gegenüber dem Altern, und definiere es nicht negativ. Für mich ist es noch immer kein Thema und auch keine Kunst, sondern nur eine Zahl und fortschreitendes Leben. Ich akzeptiere, dass ich fast immer Schmerzen im Rücken habe, die stärker geworden sind: Lumbago, zwei gebrochene Wirbel, Wirbelkanalstenose. Meine Leistungsfähigkeit hat nachgelassen. Wenn ich einen Kuchen backe und noch eine Mahlzeit koche, bin ich erschöpft. Trotzdem steige ich noch 4 Stockwerke hoch, manchmal auch mit knapp 10 kg. Und ich liebe immer noch junge Menschen, bin neugierig auf sie, und sie lieben mich. In der Zahnarztpraxis hat mich eine 21-jährige bildhübsche Araberin für meine So sein förmlich mit Worten gefeiert. Engelbert und ich haben eine junge Freundin, 2001 geboren, Musikerin und Studentin der Neurowissenschaften in London. Als sie beim Max-Planck-Institut in Berlin ein Praktikum machte, haben wir uns zweimal getroffen. Dann habe ich seit langem einen Freund in Düsseldorf, Robinson, 1984 geboren, der eiine Website mit Fotografien hat . Sein Bruder ist ein berühmter Karnevalswagen-Bauer.
    Dass der Rückblick auf mein Leben viel länger ist als das, was noch vor mir liegt, schmerzt manchmal. Aber weder Engelbert noch ich können sich nicht vorstellen, nicht mehr da zu sein. Workshops und Gruppen hin oder her, jetzt ist Sterben ein nahes Thema.
    Lieben Gruß
    Nila

  3. Sorry, es sollte heißen: Aber weder Engelbert noch ich können sich vorstellen, nicht mehr da zu sein.
    Nila

Was sagst Du dazu?

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht