Claudia am 09. Januar 2011 — 4 Kommentare

Advanced Style: im Alter den eigenen Stil finden

Alte Frau in rosa, orange, gelbWenn ich einst alt bin
trage ich Mohnrot
weil ich das Brennen nicht missen möchte
in meinen Gliedern
in meinem Herz
Einen grossen Hut
der weit auslädt
und das Gesicht anmutig verschattet
Ich werde stolz sein
wenn die Leute hinter mir tuscheln:
Da geht die verrückte Alte mit ihrem Hut.

Das Zitat entstammt einem Gedicht von Elisabeth Schlumpf, das mir Rosadora in die Kommentare schrieb (und der Kösel-Verlag hat es netterweise abgenickt!).

Zwar trägt die Dame auf dem Bild kein Mohnrot und auch keinen Hut, dafür ist ihr Outfit ein Farbensturm: pink, orange, gelb, passend kombiniert inkl. Stirnband, Schuhe, Einkaufstaschen. Ich verneige mich bewundernd vor soviel MUT ZUR FARBE! Das hab‘ ich in meinem ganzen Leben bisher nicht zustande gebracht, sondern mich meist mit „Berliner Schwarz“ und einem unauffällig sportlichen Outfit begnügt. Farbe allenfalls mal am Halstuch…

Respect your elders – das Advanced Style-Blog von Ari Seth Cohen

Ari Seth CohenDas wahrhaft außergewöhnliche Blog „Advanced Style“ zeigt wundervolle Bilder von alten Menschen, die sich nicht im Unauffälligen verstecken, sondern ganz im Gegenteil auf sehr kreative Weise modisch inszenieren. Ari will mit seinen in den Straßen von New York aufgenommenen Fotos zeigen, dass der persönliche Stil sich erst im Alter voll entwickelt (wenn man sich denn traut, füge ich hinzu).

„Respect your elders and let these ladies and gents teach you a thing or two about living life to the fullest“ – schreibt Ari dazu. Ja, ich würde gerne auch eine „verrückte Alte“ werden, doch der Schritt von „sportlich“ zu extravagant ist kein kleiner. Umso mehr freue ich mich über dieses inspirierende Blog – und darüber, dass Ari die Verwendungen einiger Bilder gestattet hat!

Stolz, 80 Jahre alt zu sein

Auf Advanced Style gibt es auch eine Rubrik, in der sich einige der im Blog präsentierten „Models“ stolz zu ihrem Alter bekennen:

Proud to be 80 years old!

Das möchte ich mich gerne auch mal trauen, falls ich dieses hohe Alter überhaupt erreiche. Der Stil „in schwarz“ läge mir zwar weit näher als das Outfit der Dame im linken Bild, doch finde ich auch sie wirklich zum Staunen! Nie würde ich so eine Bluse tragen, auch nicht, wenn ich erst 17 wär – aber als Gesamtkunstwerk finde ich diese Erscheinung trotzdem toll.

Modische Inspirationen seit 2008

Advanced Style ist eine schier unerschöpfliche Fundgrube mehr oder weniger „schrill“ gekleideter alter Menschen. Ari bloggt diese Bilder seit dem Jahr 2008 und veröffentlicht gelegentlich auch Einsendungen seiner Leserinnen und Leser.

Hier noch zwei Beispiele aus „Best oft 2010“:

Zweimal Mode im Alter

Sollte jemand weitere Fotografen, Blogger oder Künstler kennen, die sich speziell mit dem Thema „Alter im Bild“ auseinander setzen, freue ich mich über Hinweise bzw. Kontakt-Infos.

Claudia am 03. Januar 2011 — 5 Kommentare

Wie man der Jugend NICHT raten soll

Unter dem harmlosen Titel „Worauf ich hoffe“ veröffentlichte der Autor Christopf Hein (Jg.1944) eine Neujahrsrede an die Jugend, die ich nur äußerst zynisch nennen kann. Kleine Kostprobe:

„Werden Sie, anders als wir, begriffen haben, dass unser Leben vergänglich ist? Dass es auf dieser Erde eigentlich unsere Aufgabe ist, an einem Haus zu bauen, das nicht allein für uns nutzvoll ist, sondern auch Menschen Schutz gibt, die wir nicht kennen, weil sie noch gar nicht geboren sind? Oder werden Sie wie wir nur an einem Häuschen für sich selbst bauen, dem sprichwörtlichen Häusle, kostengünstig, mit guten Abschreibemöglichkeiten, um unser Allerheiligstes, unser Bankkonto, nicht allzu sehr zu strapazieren?“

Wir haben die Welt ausgesaugt – Ihr müsst das wieder richten!

Was folgt, haut in diesselbe Kerbe, von Seite zu Seite drastischer: Die eigene Generation wird im vereinamenden großen „Wir“ in die Pfanne gehauen. Alle Schrecklichkeiten, Katastrophen, Gefahren und Versäumnisse werden anklagend „eingestanden“ – um dann den Jungen zu sagen: ja, wir gierigen Versager hinterlassen euch eine schlimme Welt, wir schützten das Kapital, aber nicht das Klima. Es ist an euch, jetzt alles anders zu machen! Weiter → (Wie man der Jugend NICHT raten soll)

Claudia am 31. Dezember 2010 — 4 Kommentare

Neigt sich die Zeit des Alterns dem Ende zu?

Das meinen offenbar Wissenschaftler, die weltweit intensiv an der Erforschung und Entwicklung verschiedenster Anti-Aging-Stoffe arbeiten. Schon mehrere „Altersgene“ will man entdeckt haben. Bei Fadenwürmern ließ sich durch eine kleine Veränderung an einem einzelnen solchen Gen glatt die Lebenszeit verdoppeln! Bei Mäusen und Menschen soll es „im Prinzip“ auch funktionieren, nur vermutlich nicht so ausgeprägt.

Altern – nur eine veraltete Denkweise?

Mit 90 so jung sein wie mit 40? In dreißig Jahren soll das machbar sein. Selbst dann 70-Jährige könnten mit den künftigen Mitteln „rückverjüngt“ werden. Diese und andere spektakuläre Behauptungen waren in der Sendung „Altern – nein danke!“ im Deutschlandfunk zu hören. (Nachhören als Podcast ist noch ein paar Tage lang möglich). Insbesondere amerikanische Wissenschaftler wurden vorgestellt, die uns die Botschaft bringen: es ist eine veraltete Denkweise, zu glauben, das Altern sei unabwendbar. Die vorderste Front der Anti-Aging-Forschung sei drauf und dran, alle am Altern beteiligten Prozesse zu verstehen und ihnen etwas Wirkungsvolles entgegen zu setzen. Weiter → (Neigt sich die Zeit des Alterns dem Ende zu?)

Claudia am 28. Dezember 2010 — 5 Kommentare

Über das Altern: Verluste und Gewinne

Alt werden verbinden die meisten Menschen mit dem körperlichen Verfall: allerlei Zipperlein stellen sich ein, die Figur verändert sich (noch weiter) weg vom jugendlichen Ideal, das Gesicht wird faltiger und die Kräfte lassen nach. Ein paar chronische Krankheiten kommen hinzu und am Ende vegetiert man als Pflegefall im Heim – wenn man nicht grade Helmut Schmidt heißt und als Hoffnungsträger der rauchenden Klasse fröhlich die nächste Zigarette in die Kamera hält.

Da es der Zeitgeist erfordert, “for ever young” zu bleiben, ist niemals die Rede davon, dass sogar der so sehr gefürchtete physische Abbau seine zwei Seiten hat: wo die Wachstumskräfte nicht mehr nach außen drängen, wo jede kleine Wunde länger zum heilen braucht und blaue Flecken langsamer schwinden, da wird auch deutlich mehr gespürt. Unsere Umwelt überschüttet uns fortwährend mit weit mehr “Daten”, als wir bewusst wahrnehmen, doch weitet sich das Feld des Wahrnehmbaren deutlich aus, wenn man anfängt, ein bisschen zu “schwächeln”. Dass jemand laute Musik nicht mehr toll findet, heißt auch, dass er für leise Töne empfänglicher geworden ist – komisch eigentlich, dass solche Benefits späterer Jahre nicht geschätzt werden. Weiter → (Über das Altern: Verluste und Gewinne)

Claudia am 28. November 2010 — 4 Kommentare

Die Angst vor dem Altern – eine kollektive Neurose

Da schreibt mir ein alter Bekannter auf die Frage, wie es ihm geht:

“Es kommt jetzt das Schröckensgespinst “Alter” mit größeren Schritten angelaufen, lässt sich nicht mehr
leugnen. Aber davon abgesehen ist alles schön.”

Eigentlich ein ganz normaler Satz – und gerade deshalb stutze ich und bin wieder mal ein wenig erschüttert, wie sehr das Alter doch in Verruf ist. In diesen jugendwahnsinnigen Zeiten erscheint es als absoluter GAU, als finales Stranden in einer Art Hölle, an die man lieber gar nicht erst denkt, vielleicht in der irrationalen Hoffnung, es werde einen nicht treffen. Ähnlich wie Kinder, die die Hand vor die Augen halten und meinen, dann nicht gesehen zu werden.

Na klar, in einer Welt, in der die äußere Erscheinung in Gestalt glatter Jugendlichkeit mehr und mehr zum obersten Wert wird, in der Gesundheit und Fitness als Bringschuld gelten und jegliche Zeichen körperlichen Verfalls als Versagen angesehen werden, wundert es nicht, wenn viele von der schieren Schreckensstarre ergriffen werden, sobald die ersten weißen Haare sich zeigen. Weiter → (Die Angst vor dem Altern – eine kollektive Neurose)

Claudia am 17. Oktober 2010 — 18 Kommentare

Es ist nicht bös’ gemeint!

Neulich in der Berliner Charité,  Virchow Krankenhaus, Augen-Ambulanz.  Ich muss viereinhalb Stunden warten und bin fast verdurstet, bevor mich endlich eine Ärztin empfängt. Frau Doktor – geschätzt Ende dreißig – wirkt ein wenig nervös. Ich darf mich setzen. Sie studiert die Kurzfassung meines Leidens, die meine Augenärztin mitgegeben hat und sagt:

„Darf ich Sie fragen, wie alt Sie sind?“
Sie flüstert es fast und schaut mich dabei an, als solle ich ihr eine ansteckende Geschlechtskrankheit beichten.
„Sechsundfünfzig!“ sag‘ ich fröhlich und lächle.
„Es ist nicht bös‘ gemeint“, fügt sie nun noch betretener hinzu, „wir müssen das halt fragen!“
Weiter → (Es ist nicht bös’ gemeint!)

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